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Innovatives PTES-System in Meldorf: Deutschlands grĂ¶ĂŸter ErdbeckenwĂ€rmespeicher sichert nachhaltige WĂ€rme fĂŒr den Winter dank Schaumglasplatten von Glapor.

Glapor Schaumglas deckelt Deutschlands ersten Erdbeckenspeicher in Meldorf

Was passiert, wenn sich eine Kommune im Norden Deutschlands frĂŒhzeitig um eine zukunftssichere WĂ€rmeversorgung abseits fossiler EnergietrĂ€ger bemĂŒht, nimmt seit FrĂŒhjahr 2022 in Meldorf (Lkr. Dithmarschen) konkrete Formen an.

Die Rede ist von einem ErdbeckenwĂ€rmespeicher oder auch Pit Thermal Energy Storage (PTES) – der erste dieser GrĂ¶ĂŸe in ganz Deutschland –, der mit rund 50 Millionen Liter Wasservolumen die WĂ€rme des Sommers fĂŒr den Winter speichert. Damit diese im Becken bleibt und nicht nach oben verdampft, kommt eine mehrteilig aufgebaute Abdeckung zum Einsatz. Glapor Schaumglasplatten ĂŒbernehmen darin den herausfordernden Part der ersten DĂ€mmschicht, die trotz WĂ€rme- und Feuchtigkeitseinwirkung fĂŒr dauerhafte Isolierung sorgt.

Credit: Âź T. Labda, Solmax

90 x 90 Meter, 11 Meter tief, 50 Millionen Liter Wasservolumen: Einen großen WĂ€rmespeicher „einfach“ in die Erde graben

In Meldorf hat die Nutzung von IndustrieabwĂ€rme bereits Tradition. Eine ansĂ€ssige Druckerei versorgt so bereits seit mehreren Jahren das Freibad. Mit einem FernwĂ€rmenetz, einer Heizzentrale mitsamt nötiger Technik sowie dem großen ErdbeckenwĂ€rmespeicher sollen ab dem Winter 2024/25 erstmals auch Schulen, Sporthalle, Museum und WohnhĂ€user aus dem PTES heraus mit WĂ€rme versorgt werden.

Neben der nahen Druckerei befindet sich direkt am Standort des Speicherbeckens auch eine Biogasanlage, die ebenso ihre ĂŒberschĂŒssige WĂ€rme in den PTES leiten wird. Das Prinzip, WĂ€rme in großen Wasserbecken zu speichern, ist weder neu, noch eine Raketenwissenschaft. Trotzdem entsteht in Meldorf der erste kommerziell genutzte Erdbeckenspeicher dieser GrĂ¶ĂŸe in Deutschland. Vorteil der Verlagerung in die Erde: der Speicher ist im Gegensatz zu oberirdischen BehĂ€lterspeichern nahezu unendlich skalierbar.

Also einfach ein Loch in die Erde graben und fertig? Ganz so trivial funktioniert es bei einer GrĂ¶ĂŸenordnung von 90 Metern SeitenlĂ€nge und 11 Metern Tiefe dann doch nicht. Am Standort in Meldorf wurde aufgrund des anstehenden Grundwassers eine temporĂ€re Grundwasserabsenkung nötig. Auch der anliegende Boden aus Klei – steinhart bei Trockenheit, plastisch bei Feuchtigkeit – musste fĂŒr dauerhafte StabilitĂ€t lagenweise mit Sand versetzt werden. Eine auf beziehungsweise in die so ausgehobene und prĂ€parierte Planie ausgelegte Kunststoffdichtungsbahn aus dem Deponiebau bildet die Abdichtung des Beckens.

Glapor Schaumglas als dauerhaltbare Abdeckung: bis 95°C bei hohem Dampfniveau

Um das im PTES befindliche Wasser vor KĂ€lte von außen ebenso wie gegen Niederschlag, Fauna oder Verschmutzung zu schĂŒtzen, kommt nach oben ein rund 40 Zentimeter messendes schwimmendes „Dach“ aus Dichtungsbahn, Vlies und DĂ€mmung zum Einsatz.

Die in Meldorf angewandte Anordnung der Materialien ist auch fĂŒr das involvierte Beratungsunternehmen Ramboll, das hier und bereits in DĂ€nemark in vergleichbaren Projekten fĂŒr die Konstruktion verantwortlich ist, eine im Detail neue Erfahrung. Den Anfang macht eine 2,5 Millimeter starke Dichtungsbahn aus Polyethylen, darauf folgt eine Schutzlage aus Vlies. Die erste und funktionell entscheidende DĂ€mmschicht besteht aus acht Zentimeter dicken Schaumglasplatten des deutschen Herstellers Glapor. Die Herausforderung: Einerseits stehen an der WasseroberflĂ€che des befĂŒllten und mit WĂ€rme gespeisten Speichers bis zu 85 Grad Celsius an.

Andererseits kann Wasser durch die Dichtungsbahn diffundieren. Konventionelle DĂ€mmstoffe saugen sich dann wie ein Schwamm voll, mit der Folge, dass Struktur, DĂ€mmwirkung und Haltbarkeit leiden. Glapor Schaumglas verfĂŒgt nicht nur ĂŒber zuverlĂ€ssige DĂ€mmeigenschaften und baupraktisch lebenslange Charakteristika, sondern ist zudem frei von Feuchteakkumulationen.

Der mineralische DĂ€mmstoff aus 100 Prozent Recyclingglas behĂ€lt so auch bei hohen Temperaturen und Dampfniveaus seine wĂ€rmedĂ€mmenden Eigenschaften bei und feuchtet in der Verwendung als PTES-DĂ€mmstoff nicht auf. „Eine ideale Wahl fĂŒr die Isolierung von Thermal Energy Storages – selbst mit Temperaturen von bis zu 95 Grad Celsius“, ergĂ€nzt Helge Flöge, Leitung Anwendungstechnik international & Nachhaltigkeitsstrategien beim Hersteller Glapor.

Die Verarbeitung der dimensionsstabilen und stauchungsfreien stumpfen Platten gestaltete sich sehr einfach. Das leicht oberflÀchenraue Schaumglas hatte gar den positiven Nebeneffekt, sich mit dem darunter liegenden Vlies zu verzahnen, sodass ein Verrutschen der lose zu legenden Platten ausblieb.

Doppelnutzung der Abdeckung denkbar

Bei Deutschlands erstem saisonalen ErdbeckenwĂ€rmespeicher in Meldorf wurde der thermische „Deckel“ aus einem Hybrid aus Schaumglasplatten und KunststoffdĂ€mmstoffen hergestellt. Das Ingenieur- und Entwicklungsteam von Glapor um Dr. Hans Strauven und Dipl.-Ing. Helge Flöge hatte auch eine Komplettlösung aus rund 60 cm dicken Glapor-Pontons vorgeschlagen, um eine Doppelnutzung der Anlage zu ermöglichen.

„Durch das optimale Schwimmverhalten unserer Schaumglaspontons sind auch GewĂ€chshĂ€user, PV-Anlagen oder andere Dinge auf dem Deckel denkbar“, erklĂ€rt Flöge dazu. Auf diese Weise könnten PTES selbst in dicht besiedelten Gegenden ohne eklatanten FlĂ€chenverbrauch gebaut werden – „in Meldorf war aufgrund der speziellen Lage jedoch keine Doppelnutzung vorgesehen, sodass erwĂ€hnte Hybridbauweise zum Einsatz kam“, so nochmals Flöge.

PTES „wĂ€rmt“ ab 2024/25: Einschnitt, Startschuss, Wegweiser

Saisonale WĂ€rmespeicher sind ein zentrales Element der WĂ€rmewende und ĂŒberbrĂŒcken die Zeitdifferenz zwischen WĂ€rmeerzeugung und -verbrauch. Dieser Herausforderung hat sich auch der am Projekt beteiligte Abdichtungshersteller Solmax mit geeigneten Produkten und Praxiserfahrung in Bezug auf den Bau von ErdbeckenwĂ€rmespeichern angenommen. Solmax stellt nicht nur innovative geosynthetische Produkte fĂŒr diese Anwendung her, sondern realisiert seit fast einem Jahrzehnt mit der hauseigenen Installationsabteilung erfolgreich ErdbeckenwĂ€rmespeicher. Der PTES in Meldorf wird noch im Jahr 2023 fertiggestellt, vorwiegend ĂŒber den Sommer 20024 mit WĂ€rme „beladen“. Ab der Heizsaison 2024/25 startet voraussichtlich die Versorgung aus dem PTES heraus. FĂŒr die Gemeinde Meldorf darf der grĂ¶ĂŸte saisonale ErdbeckenwĂ€rmespeicher Deutschlands als positiver Einschnitt in die eigene WĂ€rmeversorgung gelten, fĂŒr Glapor vielleicht als der Startschuss in ein neues Anwendungsfeld innovativer SchaumglasdĂ€mmstoffe. FĂŒr die deutsche Energiewende ist es auf jeden Fall ein Projekt mit Wegweiser-Charakter.

https://www.glapor.de

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